In den letzten Tagen hatte ich das Vergnügen von meinem Lieblingsmenschen begleitet zu werden. Er ist beruflich ein erfolgreicher Landschaftsarchitekt. Und wie die Dinge immer so sind, hatte ich unmittelbar vor seinem Besuch eine Architektin im Coaching (die erste ihrer Art und besonders wertvoll). Wie immer, wenn man mit solchen kreativen, ästhetischen Menschen zu tun hat – verzaubern sie einem die Sicht. Plötzlich sieht man wieder mehr. In dem Fall sehe ich das, was unser aller Augen verzaubern kann: Der goldene Schnitt.
Der Goldene Schnitt (lat. sectio aurea „Goldener Schnitt“, proportio divina „göttliche Proportion“), gelegentlich auch stetige Teilung einer Strecke, ist ihre Zerlegung in zwei Teilstrecken in der Weise, dass sich die längere Teilstrecke zur kürzeren Teilstrecke verhält wie die Gesamtstrecke zur längeren Teilstrecke. Das Konzept ist bereits seit der Antike zur Zeit des Euklid bekannt. Der Goldene Schnitt findet häufige Anwendung in der Kunst, taucht aber auch in der Natur auf. Der Goldene Schnitt ist eine Kombination aus Symmetrie und Asymmetrie und wird deshalb als besonders schön empfunden.
Wandelt man also mit einem Architekten durch die Welt, so sieht man das, was uns sonst oft verborgen bleibt: Die Schönheit in Gebäuden und Bauwerken, die Harmonie von Parks und Strassen, die Anordnung von Strassenbau und Städteentwicklung. Ich habe viel gelernt in den letzten Tagen und auch gesehen: Wie kann man Räume verändern, dass Menschen sich da wohl und geborgen fühlen, sich dort gerne aufhalten und auch – ausatmen können. Wunderbar!
Es gibt Grundlagen in der Architektur, die aufgrund von Form und Strukturen etwas vorgeben, dass das menschliche Verhalten und Empfinden beeinflusst. Wie beeindruckend war zum Beispiel folgende Gegebenheit: Wir besichtigten einen Vertikal Stadt Garten mitten in der nüchternen Bürogegend. Dort wurde vor mehr als 20 Jahren eine Parklandschaft auf kleinstem Raum geprägt, die durch verschieden hohe Ebenen Gelegenheiten zum Ruhen und Verweilen gaben. Die Pflanzen kletterten gerne und gesund nach oben und auch Vögel hatten den Lebensraum angenommen.
Auf meine Frage, ob man denn bei den allerhöchsten Ebenen an Schutzvorrichtungen für zum Beispiel Suizide gedacht hatte, sagte mein Bruder, das sei nicht nötig. Die ganze Bausituation sei nicht brutal genug für eine solche Tat. Und ja, der Boden war aus Glaskies freundlich und weich gestaltet und die Hecken hätten den Sturz aus höchster Höhe abgefangen. Und auf dem ganzen Park liegt eine liebevolle, stille Stimmung die einladend und geborgen anmutet. Wie grandios! Ein Bauwerk, das einen Raum eröffnet.
Ich liebe solche Räume. Im Sommer arbeite ich gerne mitten auf dem Opernplatz in Zürich. Da sitzen wir in bereitgestellten Stühlen, die aneinander gekettet sind. Der Ort bietet Platz und Abstand, die beiden Sitzgelegenheiten Zusammenhalt und Intimität. So wie die Insel Ufenau, die Insel der Stille, mitten im See. Sie ist ein in sich geschlossener Kosmos mit viel Blau im Aussen und im Oben. Im Winter arbeite ich in Nischen, zum Beispiel im Cafe Odeon und in Hotelhallen. Für manche Gespräche braucht es Anonymität, für einige Lebhaftigkeit und für andere einen sicheren Hafen. Der Raum hilft beim Gestalten und ob der Klient sich einlassen kann.
Ein lieber Coachee sagte einmal, die Coachingreise nach Jersey sei „orchestriert“ – also eine Komposition von sinnlichen Eindrücken, Raum, Rhythmus und tiefer Arbeit. Architektur und Umgebung kann das von ganz alleine. Es ist wichtig, den Raum für das Leben zu definieren und zur Verfügung zu stellen.
Ja – also: Der goldene Schnitt. Die Architektur als sinnliches Erleben im Aussen und als Resonanz für das Leben im Innen. Räume können Stimmung und Psyche positiv wie negativ beeinflussen. Auch auf die physische Gesundheit kann sie Einfluss haben. Architektur hat also für jeden Menschen eine sehr konkrete Bedeutung und bestimmt das alltägliche Leben viel stärker als Musik, Literatur oder Malerei.
Ein Hoch auf die Schönheit!
Ein Hoch aus den Lebensraum!
Vielleicht kannst Du diese Woche einmal dazu nutzen, genau hin zu schauen und hin zu fühlen wo Du Dich befindest – und was es mit Dir macht…. denn Du weisst ja:
Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie.


