Der Herzensweg

Manchmal tragen wir ewige Gedankenkreise mit uns herum. Du auch?
Dreht sich dein Kopf immer und immer wieder um das selbe? Denkt es Dich?

Hältst du mit eiserner Hand eine Überzeugung fest, die Dich daran hindert weiter zu gehen?

Hast Du auch diese Schranke im Kopf, die Dir einredet, Du kannst das nicht loslassen?

Manchmal ist es gut, an etwas fest zu halten, weil die Sicherheit Dich verankert oder deine Intuition dich beschützt. Es gibt Dinge, die wissen wir einfach. Und die darf man sich nicht ausreden lassen oder sie loslassen. Die darf man, wie einen Anker, einen festen Wert, festhalten und bewahren. Unbedingt.

Andere Sachen, die man endlos und wieder und wieder denkt, die uns dabei kontrollieren und einschränken, die darf man gehen lassen.

Wie aber das eine vom anderen unterscheiden?

Es ist ganz einfach: Tut es Dir gut? Lässt es Dich wachsen? Entspannt es Dich?

Oder macht der Gedanke Dir Stress, hält Dich klein, hält Dich zurück?

Und noch einfacher: Was spricht mit Dir? Die Angst oder die Liebe?

Ich habe ein paar Überzeugungen, die mir einige Leute, immer wieder und mit höchst verführerischer Art, ausreden wollen. Ich muss das manchmal vehement verteidigen. Denn: Wenn ich diesen Gedanken, Haltungen und Meinungen nachgehe, dann fühle ich mich wohl und in mir verankert. Anderes lasse ich gerne in Frage stellen und kann es dann, mitunter durchaus ein bisschen widerspenstig, loslassen.

Welche Gedanken hast du so fest gehalten, dass er sich verselbstständigt hat?

In der vergangenen Woche hatte ich eine wunderschöne Coachee hier auf Jersey, deren Gedanken eine beträchtliche Eigendynamik entwickelt haben und die alles bestimmt haben, was sie tut. Diese Endlosschlaufe stand ihr so radikal im Weg, dass sie ganz viel brauchte, um die Hürde zu überspringen.

Und welche Kraft lässt uns aus den Gedanken springen? Dein Herz!

Sie hat gekämpft. Blut, Schweiss und Tränen, Zeter und Mordio. Und dann: Ist sie einfach gesprungen und hat sich für ihr wunderschönes, freies und mutiges Herz entschieden. Sie hat den Sprung zunächst trotz der fesselnden Gedanken gemacht. Und dann haben die Gedanken kapituliert, tropfen ab, lassen los. Das Herz wächst und atmet, schreit vor Glück, dass es endlich zu Wort kommt.

Als sie nach Hause flog habe ich ihr zugeflüstert: Bleib oben! Bleib oben!

Das Herz, es soll frei fliegen, jede Schwere ablegen, einfach mutig und selbstwirksam die eigene Wahrheit leben. So ist es gut, richtig und echt.

Überprüfe Deine Gedanken so gut es geht. Stell sie in Frage. Nicht: Stell dich in Frage. Sondern.: Stell die Gedanken in Frage. Sei ein Zeuge Deiner „Über-zeug-ungen“. Schau es Dir an und frage Dich: Ist es ein guter Weg? Hat er ein Herz?

Niemand hat das so gut formuliert wie Carlos Castaneda: Der Weg mit Herz

Alles, was du tust, ist einer von tausend möglichen Wegen. Darum denke immer daran, dass ein Weg nur ein Weg ist. Wenn du spürst, dass du ihm nicht folgen solltest, dann setz ihn nicht fort, unter keinen Umständen. Um diese Klarheit zu erzielen musst du ein diszipliniertes bewusstes Leben führen. Nur dann wird dir stets bewusst sein, dass ein Weg nur ein Weg ist – und dass es keine Schande ist, weder für dich noch für andere – ihn zu verlassen, wenn dein Herz es befiehlt.

Deine Entscheidung, einen Weg zu verfolgen oder ihn zu verlassen, muss aber frei von Angst und Ehrgeiz sein. Ich warne dich. Prüfe jeden Weg genau und mit Sorgfalt. Erprobe ihn so oft, wie du es für notwendig hältst. Es gibt eine Frage, die nur ein sehr weiser Mensch stellt. Mein väterlicher Freund hat mir davon berichtet, als ich jung war; aber damals war mein Geist noch zu stürmisch, als das ich sie verstanden hätte. Jetzt verstehe ich sie. Ich werde dir sagen, wie sie lautet: Hat dieser Weg ein Herz?

Alle Wege sind gleich: Sie führen nirgendwo hin. Sie führen durch den Wald oder in den Wald hinein oder hinaus. In meinem Leben, darf ich wohl sagen, bin ich viele lange Wege gegangen, aber ich stehe nirgendwo. Die Frage meines väterlichen Freundes ergibt jetzt einen Sinn. Hat dieser Weg ein Herz?

Wenn er eins hat, dann ist der Weg gut, wenn nicht, ist er nutzlos. Beide Wege führen nirgendwohin aber einer hat ein Herz, der andere nicht. Der eine wird eine freudvolle Reise bringen, solange du ihm folgst, wirst du im Einklang leben. Auf dem anderen wirst du dein Leben verfluchen. Der eine macht dich stark, der andere schwächt dich.

Für mein Leben sehe ich eine andere Wahl: Ich reise nur auf Wegen, die ein Herz haben – auf jedem Weg, der ein Herz haben könnte. Diesen Weg wähle ich, und die einzige Herausforderung von Wert liegt darin, ihn in seiner vollen Länge zu Ende zu gehen. Dort also gehe ich und suche und suche, atemlos.

(Das Leben des Don Juan) / Carlos Castaneda

Na, was denkst Du jetzt?

Da, wo du das Leben spüren kannst, da ist es auch. C’est la vie.

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