Wir küssen Amok

Die Tage hörte ich dieses Lied von Rosenstolz: „Wir küssen Amok im schönsten Regen“… ich wanderte mit meinen Gedanken in meine Kussbilanz… sie war gewaltig. Ich habe schrecklich viele Menschen geküsst. Vielleicht unzählig. Ich griff ein paar Juwelen aus meiner Schatzkiste und muss sagen, es fiel mir schwer, mich zu entscheiden, welche ich am bemerkenswertesten fand.

Ein Kuss ist eigentlich doch immer das ganz sichere Indiz ob etwas Erotisches entstehen kann zwischen zwei Menschen oder nicht. Hast Du das auch so erfahren?

Wie war dein erster Kuss?

Meinen bekam ich mit 13. Es war schockierend. Und ich wollte es nie mehr wiederholen. Heute muss ich lachen, dass ich sogar noch weiss wo und wer es war. Der Mensch hatte keinerlei Relevanz in meinem Leben. Viel später erst war der zweite erste Kuss eine richtige Bombe. Das wollte ich dann ganz oft wiederholen. Ich war gerne eine Küsserin, es gab allerlei Abenteuerland im Küssen.

Mein geistiger Freund Napoleon, den ich schon im letzten Blog erwähnte, schrieb seiner liebsten Josephine: „Inzwischen, mon amour, empfange Millionen Küsse, aber schick mir selbst keinen, denn Du verbrennst mir das Blut“.

Hat Dich mal ein Kuss so voll erwischt und angezündet?

Und küsst Du männliche und weibliche Partner? Wohin? Warum?

Und was küsst Du sonst noch so? Dein Haustier? Dein Pferd auf die Nüstern?

Ich habe mal eine 1000Franken Note geküsst, weil ich sie geschenkt bekam und dachte: kann doch nicht wahr sein… und ich habe auch meinen Füller geküsst, als ich ihn wieder fand. Und ein Haus, das ich unbedingt bekommen wollte (hat genützt). Ich habe fatale Sachen geküsst und die Muse küsst mich auch hin und wieder.

Diese unsäglichen drei Begrüssungs-Bussis haben wir dankbarerweise abgeschafft, als die Pandemie kam. Was für eine Erleichterung für mich! Ich küsse nicht gern Fremde und Menschen, die mir nicht nah stehen. Du?

Meine armen Söhne habe ich oft geküsst. Als sie noch klein waren, spielten wir „Kussmonster“. Ich jagte sie durch alle Zimmer und wenn ich einen der beiden zu greifen bekam, küsste ich ihn ab. Das hat viel Lachen ausgelöst bei uns dreien und irgendwann musste ich leider damit aufhören: es gibt den Tag, an dem man sein Kind nicht mehr abküssen darf, nicht mal mehr auf die Backe, schon gar nicht in der Öffentlichkeit und sie wollen es auch nicht zugeben, dass sie mal von Mama geküsst worden sind. Na gut. Der Storch hat sie ja auch gebracht, was soll man da sagen….

Ja, die drei Juwelen…. unter wirklich sehr vielen Küssen. Ich bin dankbar für alle. Auch für die gestohlenen. Und die, die mir aufgedrückt und von mir händeklatschend beantwortet wurden…

Das erste Juwel. Ich war vielleicht 20. Meine Güte, in dem Alter waren es wirklich viele. Ein verbotener Kuss. Ich wusste sofort, dass das nie und niemals richtig war oder je sein würde. Gut, dass wir es versucht haben. Die Sache war sofort erledigt. Wir wurden ganz ganz eng, ich würde sagen, zwischen uns passt kein Blatt Papier. Aber das war klar: geküsst wird nie mehr.

Das zweite Juwel. Ein Eroberungskuss. Vielleicht auch ein verbotener. Weil er mein Lehrer war. Ich wollte ihn unbedingt. Aber 15 Jahre älter, weise, abgebrüht, der Lehrer eines Fachs in dem ich versagte – und ausserdem ging das gar nicht. So kurz vor dem Abitur wurde kein Lehrer geküsst. War dieses verbotene Ding nicht etwas, das den Kuss begünstigte? Ich kann mich nur noch an meine Frechheit und sein Erstaunen erinnern. Nicht daran, ob es Spass machte, das war irgendwie zweitrangig. Also ein Kuss, dessen Zweck die Mittel heiligte. Ich muss heute noch schmunzeln.

Das dritte Juwel: Einer, der mir das Blut verbrannte. Ein Mann, den ich lange wollte. Aber er war unberührbar und unerreichbar. Ich war Anfang 20, als er mich einmal vor meiner Haustür küsste. Habe ich danach etwas gesagt? Ich glaube nicht. Vermutlich war es nachtschwarz, denn ich bin sicher, ich hatte einen knallroten Kopf. Ich taumelte durch die Haustür und weiss heute noch, dass ich eine schrecklich lange Zeit mit weichen Knien auf der steinernen Treppe sass. Bis heute schmunzle ich bei der Erinnerung. Wir haben das nie wiederholt und wurden kein Paar. Aber ein schönes Juwel.

Ach, das war schon tol,l das Amok-Küssen.

Welche Juwelen ziehst Du aus dem Zauberhut?

Spürst Du der Magie nach, wenn Du daran denkst?

Mach doch einen kleinen Gedankenspaziergang. Und geniesse.

Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch: C’est la vie.

Hinterlasse einen Kommentar