
Diesen Ring bekam ich vor kurzem geschenkt. Er heisst: Gegen den Strom.
Ich trage ihn sehr gerne und schaue ihn oft an. Ein kleiner goldener Fisch der entgegen der Richtung der anderen silbernen Fische schwimmt. Darin erkenne ich mich wieder.
Ich musste schmunzeln als ich ihn bekam. Viele Menschen sehen mich so: Eine die einen anderen und eigenen Weg geht und sich nicht anpassen will. In der Tat, eine wunderbare Art zu leben. Immer aufregend, immer abenteuerlich, unsicher und gefährlich. Ehrlich gesagt: Auch unheimlich anstrengend.
Und warum denn überhaupt gegen den Strom? Vielleicht, weil mich der Strom, der Mainstream, immer schon so langweilt. Das was alle machen. Das, was „man“ macht. Was „man“ über etwas denkt. Das was „man“ für richtig hält.
Schon als kleines Kind interessierten mich die Motive von Menschen, dies oder das zu tun. Beim Mainstream, bei den Konventionen, den „normalen“ Abläufen fühlte ich mich irgendwie veralbert. Das stellte niemand in Frage, es wurde einfach getan wie es getan wird. Weil das immer schon so war. Weil das jeder so macht. Weil man das eben genau so tut. Ich fand es komisch.
Eine Situation: Autos halten an Zebrastreifen an. Der Passant, der die Strasse da überquert, beeilt sich. Er rennt fast. Warum? Ich habe einmal eine Dame gefragt warum sie sich so beeilt. Sie sagte
„Ich will Ihnen nicht so viel Zeit stehlen“. Ich sagte: „Aber ich habe ja angehalten, auf die paar Sekunden kommt es nicht mehr an“. Sie beeilte sich trotzdem. Weil alle anderen es auch so tun.
Ich wurde ein Frage-Kind. Dauernd wollte ich wissen warum Menschen machen was sie machen.
Das hat sich nicht verändert.
Und es hält mich im Lebendigsein: Die Dinge zu hinterfragen.
Müssen wir das Leben so führen wie es von uns erwartet wird? Müssen wir dem Strom folgen?
Und wohin wird das führen? Zu einem Leben in dem wir zu-verlässig-sind?
Hast Du Dir das einmal angeschaut dieses Wort?
Zu – also nicht offen
verlässig – also sich selbst verlassend für das/den der davon profitiert
Ich will nicht zuverlässig sein. Ich will nicht, dass jeder weiss, was er von mir erwarten kann. Ich weiss nicht einmal selbst, was ich erwarte. Von mir und Dir und vom Leben.
Wäre es nicht besser, das Leben zu leben? Zu erleben? Jeden Moment neu?
Wäre es nicht besser, zu überlegen ob du jetzt gerade gemütlich im Strom mitschwimmst ODER ob sich die Anstrengung lohnt, die Richtung zu wechseln?
Die Komfortzone ist nichts anderes als das: Gemütlich im Strom mitschwimmen. Nichts in Frage stellen, einfach mitmachen.
In meinen Augen: Das Leben vergeuden.
Denn: Wenn Du Deinem eigenen Wesen entsprichst, dann musst du ab und zu den gemütlichen Weg verlassen. Oder wie sagte schon der wunderbare Walt Whitman:
Im Wald zwei Wege boten sich mir dar – und ich ging den, der weniger begangen war. Und das veränderte mein Leben.
Schau einmal zurück diese Woche: Wo bist Du im Fischschwarm und schwimmst mit? Und willst Du das noch? Zieht die Strömung da stark?
Und: Wo bist Du einmal gegen den Strom unterwegs? Was macht es mit Dir? Bist Du glücklich? Auf Deinem eigenen Weg? Fühlst Du Dich lebendig?
Da, wo Du das Leben spüren kannst, da ist es auch: C’est la vie.