Von Licht und Schatten

Wenn man sich jemanden vorstellt, der tapfer genug ist, die Projektionen seiner Illusionen allesamt zurück zu ziehen,dann ergibt sich ein Individuum, das sich eines beträchtlichen Schattens bewusst ist.

Solch ein Mensch weiss, dass, was immer in der Welt verkehrt ist, auch in ihm selber ist – und wenn er nur lernt, mit seinem eigenen Schatten fertig zu werden, dann hat er etwas Wirkliches für die Welt getan

(C.G.Jung)

In der vergangenen Woche hatte ich ein Coachinggespräch zum Schatten.

Ein mutiger Mann sass vor mir und stellte sich den verdrängten und vor allem meist unbewussten Teilen in seiner Persönlichkeit. Solch ein Prozess ist sehr schmerzhaft und gleichzeitig enorm befreiend.

Mein geistiger Freund C.G.Jung hat die Fundamente zur Schattenarbeit gelegt. Kein anderer Psychiater hat sich so ausführlich mit diesem Phänomen auseinander gesetzt. Und er hat uns eine riesige therapeutische Schatzkiste hinterlassen, mit deren Tools wir an der Befreiung von den Schattenseiten in uns basteln können.

Schatten sind die Teile von uns, die wir irgendwann abgespalten und unterdrückt haben oder ablehnen. Sie sind Teile unserer Persönlichkeit, die wir aus Angst nicht zeigen wollen. Diese Teile — sie können positiv oder negativ sein — haben wir in einen „Sack“ gestopft.
Oft verwenden wir unbewusst soviel Zeit und Energie darauf, die Dinge im Sack versteckt zu halten, dass wir keine Kraft mehr haben, das Leben zu führen, das wir möchten. In Schattenarbeit halten wir es für angebracht und nützlich einen Schattensack zu besitzen und einige Schatten darin zu verstauen. Doch wenn uns das Gewicht des Sacks herunterzieht, wenn es uns daran hindert, der zu sein der wir eigentlich gerne sein möchten, ist es an der Zeit den Sack aufzuschnüren und die belastenden Steine daraus zu entfernen.

Mitunter kann ein kleiner Auslöser oder auch eine Krise dazu führen, dass wir „aus der Spur laufen“ und plötzliche psychische Phänomene wie z.B. auftretende Panikattacken haben. In einem Gespräch mit dem Therapeut oder Mental-Coach kommen wir dann sehr schnell an den beschwerenden Sack voller Schattengeister, die wir aus dem Leben entlassen dürfen.
Unsere Schatten sind wie verborgenen Schätze, gefüllt mit unbekannter schöpferischer, nützlicher Energie. Sobald ein Schatten jedoch längerer Zeit im Sack gesteckt hat, stellen wir zuweilen fest, dass er verkrustet ist und schlecht riecht.
Wenn wir uns entschliessen den Sack zu öffnen und einen Teil des darin befindlichen Materials zu betrachten, ist eine sichere Umgebung sehr wichtig. Unser Alltagsleben bietet oft nicht den besten Rahmen, um einen Schatten in Angriff zu nehmen. Wahrscheinlich möchte niemand lang unterdrückte Trauer ausleben, wenn er sich am Arbeitsplatz befindet oder in der eigenen Beziehung erste Experimente mit Wut durchführen.


Unsere Schatten können uns das Leben schwer machen, deshalb haben wir sie ja anfänglich auch in den Sack gesteckt. Schattenarbeit bietet einen Raum in dem wir die Schatten vorsichtig, sicher und nach unserer freien Entscheidung aus dem Sack holen.

Zu meinem Glück durfte ich dem Coachee helfen, die Aufgabe in zu bewältigende Teile zu zerlegen, damit wir nicht die (Adler-)Perspektive aus den Augen verlieren. Ein Schatten kann sehr verführerisch sein. Oft dient er als Ausrede, sich dem Leben und den eigenen Dämonen nicht zu stellen.

Hier ein ganz populäres Beispiel: „Meine Eltern haben mich nicht geliebt, sie wollten mich eigentlich gar nicht, deswegen kann ich mich ganz schwer auf Beziehungen einlassen“. Ich frage im Coaching dann gerne etwas konfrontativ: „Wie lange ist das her? Und willst Du das ein Leben lang weiter als Ausflucht benutzen, Dich Deinen Ängsten nicht zu stellen?

Ein ausgebildeter Coach kann uns immer wieder an das Ziel erinnern, dass wir uns gesetzt haben, in dem Falle meines Coachees war es Leichtigkeit und Freiheit von Altlast.

Schattenarbeit bietet uns dann die Möglichkeit unser neues Wachstum in einem Umfeld zu beginnen, das frei von Urteilen, Verurteilungen oder Kritik ist. Denn: Ehrlichkeit über alle Gefühle, auch für die dunklen, gibt ungeheuer grosse Freiheit.

Wir können unsere Schatten aufspüren, indem wir uns u.a. Folgendes bewusst machen:

Wir reagieren sehr heftig oder sogar irrational auf manche Menschen, weil sie Eigenschaften repräsentieren, die wir in uns zu unterdrücken versuchen.

Wir machen andere zu Stars oder Idolen, weil sie die Eigenschaften repräsentieren, denen wir aus falscher Bescheidenheit abgeschworen haben.

Wir tun immer wieder bestimmte Dinge ohne Absicht, so als stünden sie nicht unter unserer Kontrolle.

Wenn wir unbewusst ein Verhalten wiederholen, ist das ein Hinweis auf einen Schatten, der das Ruder übernommen hat.

Ich hatte grosses Glück mit meinem Coachee. Er wollte sich stellen, er ging jeden einzelnen Schritt mit, er liess sich ein, er vertraute dem Prozess, er konnte heilen. Und zuletzt konnten wir auch lachen. Was für ein Glück!

Über welchen Schatten springst Du als nächstes?

Welche Schatten willst Du hinter Dir lassen?

Vergiss nicht: Der Himmel ist nicht das Limit. Du bist es.

Auf geht’s in die Adler-Perpsektive.

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