Ist es wahr, ich habe in diesem Blog noch nie über das grösste aller Gefühle geschrieben?
Fünf Jahre ohne das einzig wichtige Thema? Das schreit geradezu nach einigen Einträgen über diese so wichtige, wichtigste Haltung. Na also, auf geht’s…
Letzte Woche habe ich eine alte Liebe gefunden…ach was sag ich! Dutzende! Ich musste sehr schmunzeln… bei der Suche nach wichtigen Steuerdokumenten kramte ich in einem ganz kleinen Fundus an Sachen… ich habe nicht viel Ballast aus früheren Zeiten, ich bin eine Wegschmeisserin, keine Bewahrerin… aber dann fiel mir ein Karton in die Hand, dessen Inhalt ich vergessen hatte. Ich zog den Deckel ab und fand alte, sehr alte Tagebücher. 1981 bis 1998. Ich gab dem Schicksal eine Chance und zog eins heraus, ohne zu wissen, wem ich da begegnen würde.
Und ich begegnete vor allem…mir. Und musste ganz tief abtauchen und sehr viel schmunzeln.
Das Buch war voll mit Namen, die ich vergessen hatte. Es schien, ich war alle 5 Seiten in jemand anderen verliebt. Ich war eine Schwärmerin, eine Romantikerin. Den jedem der Namen schwor ich die ewige Liebe. Ich sass in meinem Büro und schwelgte in den Erinnerungen und Fotos, den eingeklebten Zettelchen und Briefen. Und den „für immer und ewig“ Herzchen. Dann erinnerte ich mich, dass ich noch eine Schachtel habe, in der ich alte silberne Namensplättchen habe. Früher trug man Kettchen um den Hals mit den Namen des Liebsten graviert. Ich fand die Schachtel und las „Axel, Harry, Michael?, Günther?, Marco?, Stefan?“ Und dann noch die vielen Namen in den Büchern!
Nur ein einziger Mann aus den damaligen Zeiten ist noch in meinem Leben und das auch nur mit sehr viel Zu-Fall. Und eine schöne Verbindung, die nicht nur aus Vergangenheit, aber wegen der Vergangenheit, lebt.
Warst Du auch oft verliebt?
Erinnerst Du Dich?
Wie ging es Dir mit dem Objekt der Begierde? Kanntest Du ihn/sie wirklich oder war es vielmehr eine Idee, eine Projektion?
Warst Du jemand, der Vorbilder hatte? Einen Schwarm? Hattest Du Dein Zimmer tapeziert mit Postern der Angebeteten?
Ach herrjee, ich war mein Leben lang immerzu verliebt. Ich konnte super schnell in die Liebe fallen und genauso schnell wieder hinaus. Und ich habe leider viele Herzen gebrochen, weil ich nicht bleiben wollte. Mein Leben war immer schnell und riss mich mit. Es war toll. Es war aufregend und ich möchte nichts eintauschen. Aber ja, die Liste ist lang…
Magst Du mal zurück reisen in Deine Verliebtheitsmomente?
Wann hat das angefangen? Wer war die erste grosse Liebe?
Erinnerst Du Dich gerne?
War es bunt?
Hat es Dich glücklich gemacht?
Und vor allem: Kannst Du darüber lächeln?
Irgendwann kommt jeder von uns an den Punkt, an dem man versteht, dass Liebe eine Haltung ist, vielleicht manchmal auch ein Verb. Aber eigentlich IMMER nicht die kleine Liebe, die man auf ein Objekt, einen Menschen projiziert. Sondern dieser Entschluss, dem Leben an sich, jedem Tag, etwas Liebe abzugewinnen. Dann kann man auf einmal den neuen und jungfräulichen Tag lieben, Düfte, Farben, haptische Sensationen, die warme Dusche, das gute Gefühl von frisch geputzten Zähnen, das Frühstück, die Jahreszeit, das Wetter, die Kleidung, den Weg den man als erstes macht, vielleicht – im günstigsten Fall – auch seine Arbeit, die Kollegen, die Freunde, die Passanten, Tiere, den Himmel, die Geräusche, die Geschwindigkeit – und irgendwann, wen man noch mehr Glück hat – viel Glück! – Das ganze Leben lieben.
In einem Buch, das ich gerade fertig gelesen habe, heisst es:
Ein Leben ohne Liebe ist ohne Bedeutung. Frag Dich nicht, welche Art von Liebe du suchen sollst. Spirituelle oder materielle, göttliche oder weltliche, östliche oder westliche… Teilung führt nur zur weiteren Teilung. Die Liebe kennt keine Bezeichnungen, keine Begriffe. Sie ist, was sie ist, rein und schlicht.
(aus: Elif Shafak: Die vierzig Geheimnisse der Liebe)
Dankbar habe ich das Tagebuch von 1992 zurück gelegt und den Deckel wieder geschlossen. Ich bin dankbar, dass ich so geschwärmt habe. Das war ein Warmlaufen, ein Annähern an die Haltung, dass das Leben liebenswert ist.
So wie auch DU – total liebenswert!
Der neue Tag! Wert geliebt zu werden! Das Leben, Dein Körper. Deine Möglichkeiten. Deine geistigen und emotionalen Kapriolen! Ach, wie herrlich!
Lass Dich ein, öffne Dein Herz wie ein Scheunentor!
Na und wenn Du dann da bist, dann kannst Du auch gleich ein bisschen singen:
Willkommen in der (einzigen) Adlerperspektive.
Diesen Blog widme ich zwei Liebenden, die ich letzte Woche sehen durfte. Rosa und Stevo.
Il vostro amore mi ha toccato molto e mi ha reso felice. Grazie per questo!