Kennst Du die Geschichte der Kugelmenschen?
Es ist eine Geschichte von Platon, die Du bestimmt schon in der ein oder anderen Variation gehört hast:
Es war in alten Zeiten, da war die Beschaffenheit der Menschen eine andere. Damals waren die Menschen kugelförmig mit zwei Gesichtern und jeweils vier Armen und vier Beinen. Sie waren von grosser Kraft und grosser Stärke und sie waren so vollkommen, dass sie die glücklichsten und freundlichsten Wesen auf Erden waren.
Doch dies erregte bei Zeus und den anderen Göttern Neid und Missfallen, fürchteten sie doch, dass ihnen die Menschen zu ähnlich seien und sie ihnen deshalb nicht mehr die gebührende Verehrung zuteilwerden ließen. So berieten sie, was sie mit den Menschen anfangen sollten. Lange wussten sie sich keinen Rat, denn sie wollten die Menschen nicht töten und zugrunde richten. Nach langen Überlegungen sprach Zeus: „Ich glaube, einen Weg gefunden zu haben, wie die Menschen erhalten bleiben können, wie sie aber gehindert werden, uns zu ähnlich zu sein. Ich will jeden von Ihnen in zwei Hälften zerschneiden und sie so schwächen. So werden sie als schwache Menschen uns lieben und uns verehren.“
So wurden die Menschen zusammen gerufen, indem die Götter ihnen ein neues, grosses Abenteuer versprachen. Stattdessen aber schleuderte Zeus Blitze vom Himmel, die jeden Menschen in zwei Hälften zerschnitten. Und damit sich die zusammengehörigen Hälften nicht wieder zusammentun konnten, zerstreuten die Götter die Menschen überdies über die ganze Erde.
Als nun so ihre Körper in zwei Teile zerschnitten waren, da sehnte sich jede Hälfte mit unendlichem Verlangen nach ihrer anderen Hälfte. Zu spät erkannten die Götter, dass sie aus Selbstsucht grosses Leid unter die Menschen gebracht hatten. Und so gelobten sie, dass sich zwei zueinander gehörige Kugelhälften wieder untrennbar vereinen dürften, wenn sie einander gefunden hätten.
So sucht seit damals jeder Mensch den zu ihm gehörenden Menschen, um sich mit ihm wieder zu verbinden. Das Gefühl also, das alle Menschen zueinander finden lässt, ist Sehnsucht nach Einheit.
Wie steht es bei Dir? Folgst Du dem platonischen Gedanken, dass es den Einen, die Eine da irgendwo gibt, der perfekt zu sein scheint? Und – hast Du sie oder ihn gefunden? Vielleicht sogar schon öfters, um dann festzustellen, dass es an der ein oder anderen Stelle doch „nicht so passt“? Oder suchst Du noch? Oder suchst Du immer wieder?
Das Mysterium der romantischen Liebe zweier Menschen ist eines, über das fortwährend gesprochen, geschrieben, gesungen wird. In meinen Partnercoachings kommen Menschen und klagen, das dies oder das nicht so richtig passt, dass es zu wenig gut ist, dass man da und dort nicht einer Meinung ist. Da wird gestritten und beschuldigt. Und missverstanden und interpretiert. Gegenseitig beschuldigt man sich, dass der Andere nur etwas anders tun, sagen, handeln müsste, dann wäre ja schon alles gut. Und das, obwohl wir doch am Anfang soooo ver-liebt waren!
Nur: So geht das nicht!
Sprechen wir über Liebe oder über ein Geschäft?
Muss es „so“ sein, damit man bleiben kann? Muss der andere „so“ handeln, damit er interessant, begehrenswert bleibt?
Und wann ist der Partner, die Partnerin, nur dazu da, eigene Schattenseiten zu kompensieren oder zu heilen? Eigene Einsamkeit auszugleichen? Die Bedürfnisse zu erfüllen? Die Wünsche von den Lippen abzulesen und alle zu realisieren?
Erwartest Du von Deinem Partner, Deiner Partnerin, dass er und sie Dich glücklich macht?
Warum?
Bist Du denn nicht allein glücklich?
Bist Du denn nicht allein gut genug?
Kannst Du Deine Wünsche (die nur Du ganz deutlich kennst) denn nicht allein real befriedigen?
Kannst Du Deine persönlichen Empfindlichkeiten und Befindlichkeiten nicht allein auskosten?
Bist Du gerne all-ein? Also: All eins?
Oder muss es einen Partner geben, zwingend, damit Du wieder ein Kugelmensch wirst, mit zwei Herzen, vier Beinen, vier Armen und einem kugelrunden homogenen Wesen?
Wie abhängig machst Du Dein Glück davon, dass Du die andere fantastische unglaublich passende und glückselige Hälfte findest?
Wer meine Arbeit als Coach kennt, weiss, dass ich die Haltung vertrete, dass der Partner die Cocktailkirsche ist, auf deinem köstlichen Leben, in all Deiner Ganzheit, die Dich schmücken, um das letzte bisschen Luxus ergänzen, bereichern und amüsieren darf. Nicht mehr, nicht weniger.
Du bist selbst der Kugelmensch, Du bist „rundum“ gut wie Du bist.
Umarme Dich. Siehst Du wie grossartig Du schon bist?
Was für ein Glück, wenn Du auf einen anderen kompletten Kugelmenschen triffst. Gemeinsam durchs Leben rollen. Solange es die gleiche Richtung ist. Aneinander geschmiegt, auseinander driftend, aber immer frei und sich selbst genug.
Wenn Freiheit dazu kommt, dann ist es Liebe.
Willkommen in der Adlerperspektive.
