Das Grundübel, das ich bei allen Menschen gefunden habe, mit denen ich je gearbeitet habe, ist Selbsthass. Selbsthass ist die Grundkrankheit, an der wir alle leiden. Die verschiedenen Charakterstrukturen zeigen, auf welche Art wir Selbsthass und Selbstablehnung gegen uns richten. Wenn wir Tag für Tag daran arbeiten, unsere eigene Psychodynamik zu verstehen, können wir durch diesen Prozess zur Selbstannahme gelangen. Wir können Jahre damit verbringen, Hingabe an den göttlichen Willen, Wahrheit und Liebe zu praktizieren – solange wir nicht gelernt haben uns bedingungslos zu lieben, sind wir noch nicht nach Hause zurück gekehrt. Wir müssen mit dem eigenen Selbst anfangen. Können wir uns bedingungslos lieben, wenn wir unsere Fehler und Schwächen sehen? Können wir uns verzeihen wenn wir einen Fehler gemacht haben und den Entschluss fassen, daraus zu lernen?
(Barbara Ann Brennan)
Letzte Woche habe ich gleich mehrere Male gehört: „Ich bin es nicht wert, dass….“ oder „Er meint, ich sei es nicht wert…“ oder „ich bin nicht wertvoll genug“ und natürlich auch „Ich bin nicht gut genug…“
Nach vielen Jahren als Coach muss ich Barbara Brennan zustimmen: Dieses Grundübel, dass der Mensch sich nicht als wertvoll empfindet, oder sich sogar abwertet, ist wirklich ein Problem, das sich durch nahezu meine gesamte therapeutische Arbeit zieht. Das Thema Selbstwert und auch Minderwertigkeitsgefühle ist immer präsent.
Wie vor kurzem, als eine schöne und wunderbare junge Frau mir unter Tränen weis machen wollte, das sie ein schlechter (böser) Mensch sei.
Das ist sie nicht! Auf keinen Fall!
Mangelnder Selbstwert entsteht immer! immer! im Vergleich oder sogar in der Konkurrenz mit anderen. Und hat äusserst selten einen wirklich triftigen Grund. Natürlich kann man unsere Erziehung verantwortlich machen, die vielen negativen Aussagen über uns, die wir als Kind gehört und geglaubt haben. Aber wir hätten auch die Chance gehabt, das an uns abprallen zu lassen. Oder später, wenn wir erwachsen genug sind, zu revidieren. Erinnerst Du Dich an den Blog zum Thema Resilienz?
Der Dalai Lama gab vor vielen Jahren einmal eine Rede und hatte danach eine Fragerunde. Die Fragen aus dem Publikum wurden für ihn ins Tibetische übersetzt. Aus dem Publikum kam dann auch bald die Frage einer Frau, was die Disziplin aus dem Buddhismus gegen Minderwertigkeitsgefühle sei. Der Übersetzer versuchte das Wort zu erklären und der Dalai Lama schüttelte den Kopf: Das Wort Minderwertigkeit gibt es im Tibetischen einfach nicht.
Warum denn auch?
Wir leben! Unter all den Zellen beim Run auf die Befruchtung eines Ei hat sich eine durchgesetzt. Der Embryo wuchs. Das Kind wurde geboren. Das Leben begann. DEIN LEBEN. Du warst es von Anfang an wert, geboren zu werden. Du warst und bist ein unschuldiges, reines Wesen, das auf die Welt kam, um Erfahrungen zu machen und deinen eigenen individuellen Gang durch deine Vita zu machen. Das Leben ausserhalb von Dir hat Dich be-ein-flusst. Du hat re-agiert. Du hast Dich vielleicht treiben lassen oder formen. Du hast Dich angepasst oder rebelliert. Du hast kre-iert, dein Leben gemacht, deine Entscheidungen getroffen. Du hast geschöpft aus deinen Gaben. Du hast gewählt und verworfen. Bist gescheitert und wieder aufgestanden. Hast gekämpft und geliebt, hast verletzt und geheilt, hast Dich verschenkt und wurdest beschenkt. Was für ein GROSSARTIGES LEBEN hast Du da aus Dir gemacht! Schau zurück! Schau hin! Du bist ein wertvolles Wesen! Du hast WERT generiert. Du hast berührt, Du hast bereichert.
Es wird wirklich allerhöchste Zeit, Dich selbst anzuerkennen. Dich zu umarmen. Stolz auf Dich zu sein. Glücklich, dass Du am Leben bist. Dich zu feiern. Dich zu loben. Dich zu mögen.
Alles andere, ganz ehrlich, ist eine Frechheit und ein Verrat an dem Leben.
Vor einigen Jahren war mal ein wunderschöner junger Mann zum Vorgespräch für ein Coaching bei mir. Während 30 Minuten textete er mich voll wie furchtbar er ist, wie schrecklich alles, wie wenig liebenswert er sei, wieviele Fehler er hätte, wie falsch alles ist, was er ist. Die Litanei hatte kein Ende und nervte mich sehr. Da war ein grossartiges Wesen neben mir. Seine Augen voll mit Tiefe und ehrlicher Liebe. Aber sein Ego hatte ihn vollständig im Griff. Die Idee über sich selbst war stärker als alles andere. Wir liefen an einem dunklen Seerosenteich vorbei, es war ein kalter Novembertag und niemand im Park. Ich sagte: Schau, spring doch da in den Teich, gleich neben dem Steg. Ich drücke mit dem Fuss auf deinen Kopf. Dann ertrinkst Du und wir haben das Problem gelöst. Das mache ich gerne für Dich, weil dein Leben ja so sinnlos ist. Und ein Coaching musst Du dann auch nicht mehr bezahlen, für was auch?
Er regte sich sehr auf. Rebellierte. Das habe er von mir nicht erwartet. Schliesslich brauchte er Hilfe! Zum Leben, nicht zum Sterben!
Ach, sagte ich, gibt es also doch einen kleinen Teil von Dir, der meint, Dein Leben habe Wert?
Ich freue mich, wenn ich heute seine Social-Media-Posts sehe. Er hat ein grossartiges wertvolles und sinnreiches Leben kre-iert.
So wie wir alle: Jeden Moment kannst Du Deinem Leben und dem Leben an sich Wert und Sinn geben. Jeden Tag kannst Du anfangen, Deine Geschichte umzuschreiben, zum Besseren zu kehren. Aber Du musst bei DIR anfangen: Du bist wertvoll. Du bist hier, weil es einen Sinn macht, dass es Dich gibt. Du bist das Zentrum, der Anfang und das Ende, Alpha und Omega, der wichtigste Mensch in Deinem Leben.
Umarme Sich selbst. Jetzt gleich. Fantastisch, dass es Dich gibt!
Willkommen in der Adlerperspektive.
