Aus und vorbei

Weisst Du noch, früher? Da warst Du eine Sportskanone, rank und schlank und schön und das Leben war leicht und alles war cool. Die Liebe war frisch und aufregend und die Karriere lief so richtig gewaltig in die richtige Richtung. Überhaupt war alles leichter und besser und schöner und das Leben war ein Fest.

Ich habe auch sooo viele Erinnerungen aus meinem langen, meistens kunterbunten, Leben. In der Retrospektive scheinen wir alle in einem aufregenden Film gelebt zu haben. Meine Klienten erzählen mir gerne von ihrer Vergangenheit. Entweder als Verschönerung der jetzigen Situation oder als Grund, sich heute in die ein oder andere Richtung zu verweigern. Denn einen Grund zur Ent-täuschung gibt es ja in vielen Leben.

Wir machen dabei alle den selben Fehler: Wir meinen die Vergangenheit hat irgendeinen Einfluss darauf, wie wir heute sind und handeln. Weil ich dies oder das erlebt habe rechtfertigt das keinerlei Verhalten im Heute. Wie oft höre ich: Ich bin so oft schlecht behandelt worden, deswegen vertraue ich heute niemandem mehr. Oder: Früher war alles besser und genau so will ich es wieder haben! Oder: Ach, das hab ich schon versucht, das geht für mich nicht. Oder: Da war ich schon, das brauche ich wirklich nicht noch mal. Alles schöne Ausreden, sich dem Leben nicht zu stellen.

Die Vergangenheit ist vorbei!

Die Zukunft noch nicht da!

Wir alle projizieren unentwegt aus dem Verhalten oder den Gegebenheiten von früher ins Heute und, noch schlimmer, ins Morgen. Dabei halten wir etwas fest, das unwiederbringlich vorbei ist. Wir können gar nichts festhalten. Auch nicht das Bild von uns selbst. Wir haben uns weiter entwickelt, die Bedingungen haben sich verändert. Die Menschen, die uns einmal so verletzt haben, sind weiter gezogen. Dennoch machen wir heute neue Menschen für unsere schlechten Erfahrungen verantwortlich und unterstellen ihnen bisweilen Dinge, die sie gar nicht sind oder tun. Ein unguter Kreislauf.

Der spirituelle Lehrer Eckart Tolle hat das einmal wunderbar erklärt: Er sagt, wenn wir geboren werden springen wir sehr bald von einem sehr sehr hohen Berg ab. Die Reise ist vorgezeichnet: Irgendwann werden wir unten ankommen und sterben. Auf dem Flug nach unten begegnen uns mitunter schöne Landschaften, in denen wir eine Weile bleiben können (solange wir uns an dem dürren Ast dort festhalten können) Aber die Reise geht weiter, ganz sicher weiter nach unten. Wir denken: Ach! Das war jetzt schön und bedeutsam! Da bleibe ich eine Weile. Und wir schauen auch gerne nach oben: Da war es schön! Das war wichtig. Aber die Reiseroute ist für jeden von uns klar. Nur ganz wenige geniessen was ist, genau dann, wenn es ist.

Dinge gehen zuende und verabschieden sich. Wir fliegen weiter. Menschen kommen und gehen, Zeiten verändern sich. Nichts bleibt für ewig. Nicht die Freude, nicht der Schmerz. Unser Weg ist klar. Und er ist: JETZT.

In Wirklichkeit belastet uns nur die Erinnerung an eine Vergangenheit, die eben vorbei ist. Sie macht uns sentimental und traurig, wütend und frustriert oder dankbar und berührt. Aber sie bleibt vorbei.

Wenn wir nicht im Jetzt leben dann können wir irgendwann nur noch dem Weg nachschauen, den wir schon gegangen sind – und sehen das nicht, was direkt vor unserer Nase gerade passiert und was wunderbar wäre, wenn wir uns darauf einlassen könnten. Denn auch jetzt gibt es Dinge zu bestaunen, Menschen zu geniessen, Neues zu verstehen, Schönes um darin einzutauchen.


Du bist nicht Deine Vergangenheit.

Du bist nicht Deine Zukunft.

Du bist: JETZT. In diesem Moment. Spürst Du das? Geniesst Du das?

Mache Dir doch diese Woche einmal klar dass jeder Tag NEU anfängt und Du auch durchaus neue Entscheidungen treffen kannst. Ja, sogar das Leben neu und frisch kennenlernen könntest, wenn Du bereit wärst das, was war – und dem du hinterher trauerst oder über das Du immer noch wütend bist – loszulassen und einen Neustart zu machen. Du kannst das jederzeit!

Lass endlich los. Der Flug wird in eine ungeahnte Befreiung führen!

Das Leben ist bereit, bist Du es auch?

Willkommen in der Adlerperspektive.

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