Vom wundern

Letzte Woche hat mich tatsächlich ein Radrennen inspiriert. Ganz lustig. Gar nicht mein Sport. Wenn ich die Tour de France früher zufällig beim Zappen im TV sah, ging es mir, wie wenn ich ein Eishockey Spiel sehe – da sieht man auch keinen Puck (weil er zu schnell ist) aber jede Menge Aufregung. Das Rennen also: Ein Haufen schnell bewegende Räder, die irgendwohin fahren.

Aber diesmal waren es die Geschichten um die Fahrer. Ein feingliedriger, kühler und schüchterner Däne, der einst in einer Fischfabrik arbeitete, dann als Talent entdeckt wurde und dieses Jahr zum zweiten Mal die Tour gewonnen hat. Ein Belgier, dessen Name während der gesamten Tour nicht erwähnt wurde und dann sehr überraschend die Etappe in Paris für sich entscheidet und damit die Stars deklassiert. Wunder-bare Geschichten.

Das Leben ist voll mit solchen Wundern. Ganz sicher hast Du auch schon welche erlebt oder es ist Dir von einigen Wundern erzählt worden. Manchmal gibt es Fügungen, die überraschend sind. Die neue Perspektiven aufmachen, die das Leben von einem Moment zum anderen verändern. Hoffentlich zum Guten.

Wann hast Du das letzte mal über das Wundern nachgedacht?

Wann hast Du ein Wunder erlebt?

Wann hast Du eins zu Dir eingeladen?

Genau: Eingeladen. Wunder sind auch eine Haltungsfrage!

Bist Du denn bereit für ein Wunder?

Gab es in Deiner Lebensbiografie schon Dinge, Ereignisse, die sich zu Deinem totalen Wohl entwickelt haben? Vielleicht Menschen, die Du getroffen hast? Oder Fügungen, die sich für Dich ergeben haben und die Dich an den richtigen Ort gebracht haben?

Wenn ich hier schreibe, dass Wunder eine Haltungsfrage sind, dann heisst es auch, dass Du aufhören musst die Dinge rational zu planen und hochzurechnen, zu durchdenken und zu kontrollieren. Wenn du die Kontrolle und die starre Durchführung aufgeben kannst, dann gibst Du vor allem auch die Angst vor dem Scheitern, dem Verlust und dem Versagen auf. Alles, was wir planen, an dem wir krampfhaft festhalten, das wir uns durch „Vor-Stellung“ (wie etwas zu sein hat) ruinieren, kann sich nirgends wo hin entwickeln.

Da gibt es keinen Platz mehr für das, was vielleicht durch einen Glücksmoment, durch ein magisches Zusammenspiel möglich wäre.

Ich rede hier keineswegs über Magie im (be-)zaubernden Sinne.

Sondern über die Haltung, dass es auch Dinge gibt, die ohne unsere Anstrengung passieren. Die sich ohne unser Zutun einfach so ergeben.

Bert Hellinger, der Gründervater der systemischen Psychologie, hat immer wieder darüber gesprochen, dass wir nicht mit dem Staunen aufhören dürfen, dass es wichtig ist, diese Haltung einzunehmen: Auf eine Lösung zu vertrauen und den Dingen ihren „Flow“ zu erlauben. Also: Die Probleme loszulassen und zu sagen: Jetzt komm, fliess mal zu einer Lösung hin.

In diesem Zusammenhang denke ich auch sehr gerne an meinen allerersten Blick auf einen Adler: Der Falkner hatte die Adlerdame ausfliegen lassen und sie schien in ein Tal zu „fallen“. Ich wurde ganz panisch und sagte: Sie stürzt ab! Du musst sie zurück rufen! Der Falkner schmunzelte nur: Die Adlerin „fiel“ vom Himmel, weil sie unten in der Senke einen Aufwind „gesehen“ hatte. Als sie die kleine Böe erreicht hatte, öffnete sie ihre Flügel und liess sich anstrengungslos im Girlandenflug nach oben tragen. Das war eine wichtige Lektion für mich.

Und darf es für uns alle sein:

Öffne Deine Hände und lass einfach diese Woche mal alle Probleme los. Du hast sie ohnehin schon in alle Richtungen zer-dacht und ausgerechnet. Das hat Dich nicht weiter gebracht. VERTRAUE. Auf ein Wunder. Auf eine Fügung. Auf die Magie des Unvorhersehbaren.

Wetten, dass es funktioniert?

Ich wünsche Dir eine wunder-bare Woche.

Willkommen in der Adlerperspektive.

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