Lost and found

In der vergangenen Woche hatte ich es mit den Verlorenen zu tun. Menschen, die sich

so stark in ihren Partnerschaften, ihrem Job und ihren Pflichten engagiert haben und hatten, dass sie selbst kein Gespür mehr für sich hatten. Mehr als einmal hörte ich: „Ich hab gar kein Leben mehr. Ich spüre mich gar nicht mehr. Ich kenne meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse gar nicht mehr.“

Das ist eine Entwicklung, die ich leider immer wieder sehe. Vor allem bei den frisch Verliebten im Hormonrausch, die alles, alles, für den neuen Partner tun und alle Antennen auf Empfang auf diese eine neue Person einstellen. Das ist toll, solange es überall kribbelt und kitzelt und uns glücklich macht. Aber – eigentlich ist dieser Glückscocktail nach einigen Monaten ausgeschöpft – und dann stellen sich Gewohnheiten ein, die man nicht mehr hinterfragt.

In der Psychologie nennt man das eine „Übermotivation“.

Motivation kommt von „movare“ – die Bewegung, also eine Handlung, die einen Mangel beseitigen soll und zwar schnell und umfangreich. Wenn wir noch ein bisschen genauer hinschauen, dann finden wir in Motivation auch das Wort „Motiv“. Und hier liegt das Geheimnis:

Was ist das innere Motiv soviel zu tun/bewegen/leisten/aufzuopfern?

In Beziehungen geht es meistens um den Wunsch, selbst genug Liebe zu bekommen, quasi als Gegenleistung. Wir streben dann mit unserem Tun danach, eine ausgeglichene Geben/nehmen Beziehung zu haben. Manchmal schwächt die eine Seite nach einiger Zeit die eigene Handlung ab und dann tritt ein Phänomen ein, das tragisch ist: Die bedürftigere Person der beiden in einer Partnerschaft leistet mehr und mehr um doch wenigstens noch ein bisschen Anerkennung zu bekommen.

Ganz oft ist es auch im Job das gleiche Motiv: Man will sich wichtig, unentbehrlich und wertvoll fühlen und strebt nach Wertschätzung. Eine Aufopferung beginnt, die bald nicht mehr gesund ist.

In meinen vielen Jahren als Therapeutin für Burnout Erkrankungen habe ich zudem ein tragisches Instrument der Manipulation kennengelernt. Einige Branchen zahlen ein viel zu hohes Gehalt. Meist bekommen so Studienabgänger frisch aus der Universität eine extrem hohe finanzielle Gratifikation. Oder er wird sehr hoch gelobt und als unenbehrlich/wertvoll und wichtig dargestellt, ein Druck wird aufgebaut. Der Arbeitnehmer fühlt sich in der Bringschuld und leistet und leistet. Schon bald fühlt er sich wie ein Arbeitssklave.

In jedem Fall aber bringt uns Übermotivation in eine Schieflage, die sich aufbaut und uns auslaugt und uns alles abverlangt. In fast allen Fällen spürt der Mensch bald keine Grenzen mehr. Die eigenen Bedürfnisse schon gar nicht. Der Ruf des Körpers nach Ruhepausen wird überhört, das eigene Herzensbedürfnis ignoriert.

Die Übermotivation hat häufig die Funktion, eine andere Schieflage im Leben zu kaschieren und uns mit einer Sache, die wir eigentlich verändern müssten, länger zu arrangieren als es uns gut tut. Wir motivieren uns immer wieder zum Durchhalten und Weitermachen.

Der Denkfehler Übermotivation lässt sich allerdings schwer erkennen, da er häufig mit dem Gefühl extremer Euphorie verbunden ist. Wir sehen unser Leben oder unsere Partnerschaft als eine einzige Erfolgsgeschichte oder romantische Märchengeschichte und fühlen uns gut und unverwundbar. Es fehlt die Balance zwischen Ich und Du. Zwischen meinen Herz- und meinen Kopfwünschen. Zwischen Leisten und Ruhen. Zwischen Geben und Nehmen.

Doch die meisten Menschen kommen im Laufe ihres Lebens zu dem Punkt, an dem sie nicht mehr die Kraft haben, ihren Denkfehler der Übermotivation aufrechtzuerhalten.

Und dann kommt dieses Phänomen des Verlorenseins.

Hast Du Dich auch verloren? Aus den Augen, aus dem Herz?

Kümmerst Du Dich genug um Dich?

Schaust Du zu deinen Wünschen und Sehnsüchten?

Gönnst Du Dir selbst auch das, was Du Deinem Partner so freizügig schenkst?

Gibst Du Dir die gleiche Aufmerksamkeit wie dem, dem Du Dich widmest?

Geniesst Du Dich, dein Leben, Deine kleinen Glücksmomente?

Weisst Du, was Du brauchst? Gibst Du es Dir?

Wenn Du einen „lost and found“ Schalter brauchst, um Dich wieder zu finden,

na dann weisst Du ja, wohin Du Dich wenden kannst: www.go-wild-coaching.ch

Willkommen in der Adlerperspektive.

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